F: Es scheint, dass das Thema Familie Ihnen als Autorin recht präsent ist. In Wien. Küss die Hand, Moderne, meinen Sie: “Mein innerstes Wien ist wie eine süßlich riechende alte Tante, die sich im Keller versteckt und einen zum Spaß als Monster überfällt. Mein Wien ist der Moment, wo sie einen packt, noch ehe man sie erkennt.”2 Das klingt ja ziemlich gruselig – was bedeutet “mein innerstes Wien” genau, und welche Verbindung besteht zwischen der Stadt Wien, in der Sie ja seit längerem nicht mehr permanent leben, und dem Begriff Familie?

A: Wahrscheinlich bleiben Wien und Familie für mich immer eine Art Geheimnis. Das kommt vermutlich aus der eigenen Familiengeschichte. Da ist etwas, was man nicht weiß und das liegt sozusagen im Keller. Ich hab’ dieses Verhältnis zu Wien. Das fällt mir auch jetzt beim Hiersein wieder auf, wenn ich durchgeh’ durch die Gassen, dass mich da etwas anspricht, das aber ein Geheimnis bleibt, das ich gern wissen möchte. Ich finde auch, dass die Häuserfassaden in Wien viel undurchdringlicher sind als in anderen Städten, das sind doch Steinmeere. Man muss wirklich das Haustor aufmachen, um reinzugehen, während es in anderen Städten wie London, Paris, und auch New York immer wieder ein kleines Gärtchen vor den Häusern gibt, das einladend wirkt. So etwas gibt es in Wien nicht. Daher kommt das. Davor hat man Angst, es ist einem unheimlich.

F: Ist Ihnen Berlin auch unheimlich? Verbinden Sie Berlin auch mit einem Verwandten oder einer familiären Metapher?

A: Nein, Berlin ist mir eben genau deshalb nicht unheimlich, weil es keine Verbindung mit meiner Familiengeschichte gibt – also auch keine bösen und unangenehmen Geheimnisse. Die Verbindung ist einzig und allein historisch, weil die antijüdischen Gesetze hier erdacht und gemacht worden sind. Aber davon abgesehen hat mein Umzug nach Berlin damals, vor über 15 Jahren, erst einmal Freiheit bedeutet. Leere. Eine Projektionsfläche, auf die ich schreiben konnte, was ich wollte. Mir mein eigenes Berlin erschaffen. Das hat mir ermöglicht, meine eigene Familie zu gründen, halbwegs unbeeinflusst von dem Erbe und dem, was für mich daran auch erstickend ist.

F: Edward Casey, der als als einer der einflussreichsten Philosophen bezüglich der Philosophie des Raums gilt, stellt die Frage: “Does getting back into place mean getting back into mind?” Die Heldin Ihres Romans Quasikristalle, Xane Molin, zieht von Wien nach Berlin. Mit den Jahren kommt sie immer seltener nach Wien zurück. Xanes Vater und Xanes Freunde aus der Kindheit und Studentenzeit sind die Verbindungen zu Wien. Verlässt Xane als junge Frau Wien, um sich zu entwurzeln? Gelingt ihr das? Oder sucht sie auf ihren Besuchen bzw. im Rahmen ihrer endgültigen Rückkehr nach Wien eine existentielle Verwurzelung?

A: Ich glaube, es ist eher Befreiung als Entwurzelung. Xane ist ein Mensch, der versucht, sich immer wieder neu zu erfinden, der sich selbst verschiedenen Umgebungen aussetzt und sich dort studiert. Entwurzeln kann man sich meinem Verständnis nach nicht wirklich selbst, höchstens wird man, wie viele der vertriebenen Juden, entwurzelt. Manche haben sich auch ganz stur nicht entwurzeln lassen, haben nach dem Krieg gesagt, dort komm ich her, dass lass ich mir nicht wegnehmen, da geh ich wieder zurück und schlage meinen Claim ein. Aber solange man immer frei heimkehren kann, bleibt man in Kontakt mit seinen Wurzeln. So gesehen sind die Besuche Xanes, oder auch meine eigenen, nur so ein Vergewissern, ein Nachschnuppern: Ist es dort noch so, wie man es kennt? Weiß man noch etwas von der eigenen Kindheit?

Dass Xane als alte Frau am Ende des Romans nach Wien zurückkehrt, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen, war ein Art ironische Volte gegen mich selbst: Kannst du dir das vorstellen, habe ich mich gefragt? Wirst du vielleicht später genug Sehnsucht aufbringen, um wieder ganz dort leben zu wollen? Und es war auch ein kleines Kompliment an Wien: Zumindest die Romanfigur, meine Kopfgeburt, kann ich dorthin zurückschicken, also wird es so schlimm schon nicht sein.

F: Wie verstehen Sie die Verbindung zwischen Raum, Ort, Erinnerung im Einzelnen bzw. Familienerinnerung, d.h. woran sich eine Familie als Kollektiv erinnert bzw. was sie verdrängt? Wie antworten Sie bzw. wie würde Xane auf Caseys Frage antworten?

A: Ich beantworte diese Frage klar mit ja. Räume haben bestimmte Atmosphären, Gerüche, einen bestimmten Klang, und all das kann die Erinnerungen zum Leben erwecken, viel besser als Worte oder Fotos. In Wien habe ich Verhaltensweisen erlernt, die ich woanders abgelegt habe, und obwohl das inzwischen ein halbwegs bewusster Prozess ist, nehme ich sie zum Teil oder ganz wieder an sobald ich in Wien bin. Ich achte in Wien zum Beispiel viel mehr darauf, was ich anziehe, bzw. wähle ich meine Kleidung anders aus, so, wie es in Wien erwartet wird. Außerdem rede ich anders, nicht nur, indem ich natürlich in den heimatlichen Akzent verfalle – das ist die angenehme Seite daran – sondern indem ich viel umständlicher formuliere, weil ich weiß, dass man so eher ans Ziel kommt als mit den klaren, deutschen Ich-Will-Sätzen.

F: Im Gegensatz zum Roman Vienna, in dem es um eine Wiener Familie ging, bietet Quasikristalle eine Art Überblick über verschiedene moderne Familienmodelle, quasi einen Lagebericht der Familie im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Man begegnet der orthodoxen, klassischen Familie: Vater, Mutter, Kind(er), aber auch einer vom Sorgerechtskrieg belasteten, mit Problemen der Patchworkfamilie hadernden Familie. Sie porträtieren auch zwei alleinerziehende Mütter, einen gewalttätigen Vater, einen Vater, der seine Frau und Kinder durch Kriegsgreuel verloren hat, geschiedene und verwitwete Frauen im besten Alter, die keinen Partner finden, und ein ganzes Kapitel ist dem Thema Familienplanung, im Besonderen der künstlichen Befruchtung, gewidmet. Als Leser begleiten wir Xane auf ihrem Lebensweg, von der Kindheit in Wien, ihrem Leben in Berlin bis zu ihrer Rückkehr nach Wien im Alter. Der Kreis schließt sich für Xane, zumindest was den Ort betrifft. Die Generationalität der Familie bietet sich als gutes Mittel an, Phänomene wie Kriegsschuld, Verlust der Familie, ungelöste Konflikte aus vergangenen Zeiten, die in der Familie aufgearbeitet oder verschwiegen werden, zu schildern. Dient Ihnen die Familie bzw. das Einbringen verschiedener Familienmodelle als Vehikel, Geschichten über Erinnerung, Trauma und Identität zu schreiben?

A: Das ist mir selber noch gar nicht aufgefallen, dass man auch Quasikristalle unter dem Familienaspekt sehen kann! Danke für diese Beobachtung. Ich würde immer sagen, ich interessiere mich für Menschen. Deshalb bin ich Schriftstellerin geworden. Und die Familie ist natürlich die erste Gruppe, die wir erleben, sie prägt uns, und das, was darin schiefgeht, tut manchmal das ganze Leben lang weh. Trotzdem ist es beinahe ein Zufall: Quasikristalle ist bewusst so konstruiert, dass die Themen so in den Blick kommen, wie sie an durchschnittlichen Menschen in der heutigen Zeit im reichen Westeuropa tagein, tagaus vorbeischwimmen, in kleineren und größeren Portionen. Das Buch versucht in gewisser Weise nachzuahmen, wie uns große Themen dauernd in kleinen Portionen unterkommen. Ob das eine oder das andere Thema wichtiger wird, hängt von uns und von Zufällen ab. Manch einer mag zum Beispiel eine negative Meinung von künstlicher Fortpflanzung haben – Stichwort: sogar die Kinder vom Arzt machen lassen – aber sobald es einen selbst, oder vielleicht die eigene Tochter betrifft, schaut das wieder anders aus. Jedenfalls egal, von wo man schaut, kommen da Familienkonstellationen ins Bild. Das war gar nicht bewusst so geplant, ist aber letztlich logisch.

F: In Quasikristalle schildern Sie alle Phasen und Nuancen des kulturell Anderen (ich vermeide absichtlich den Begriff Schock, denn Xane ist zu selbstsicher und herausfordernd als dass sie das Ausland schocken könnte), dem Xane als Österreicherin in Deutschland begegnet an Hand von Xanes Erfahrungen im Berufs- und Eheleben und auch in ihren Beziehungen zu ihren Freunden, vor allem den Freundinnen aus der Kindheit, die ihr mehr oder weniger treu bleiben. Die Freunde sind die “eigentliche Familie”, denen Xane die Treue hält, von denen sie schließlich im Stich gelassen wird, weil ihnen “die Uno-Sonderbotschafterin für Deutschland” mit ihren dramatischen Auftritten auf die Nerven geht. Inwiefern sind diese Freunde die “wahre Familie”?

A: Je älter man wird, desto mehr beginnt man Freundschaft zu schätzen. Als junger Mensch trifft man so viele andere, kann sich verlieben, befreunden und entlieben, und man verliert Freunde achtlos aus den Augen. Aber plötzlich ist man nicht mehr ganz jung und wundert sich, wie lange man manche Menschen schon kennt, und wie gut, über all die Jahre. Und man fragt sich, warum genau diese bei einem geblieben sind, und so viele andere nicht. Das wird mit einem Mal eine Art von Kapital oder auch Resultat des eigenen Lebens. Natürlich werden die alten Freunde mit der Zeit zur eigentlichen Familie. Sie kennen einen genauso gut, sind aber meistens gnädiger mit den eigenen Schwächen. Während die eigene Familie langsam zerfällt, indem die Eltern sterben und die Kinder ausziehen, rückt die Freundesfamilie an diesen Platz. Umso dramatischer, wie in Xanes Fall, wenn ganz alte Freunde, auf die man sich verlassen hat, einen gerade in einer Notlage fallen lassen.

Q: In Ihrer Rede zur Eröffnung der Messe und Lesefestwoche “BuchWien” meinten Sie: “Nein, es gibt keine ungestörte Identität, meine österreichische Identität ist jedenfalls überaus gestört.”3 Könnten Sie das näher erklären?

A: Das geht den meisten meiner österreichischen Freunde so, die im Ausland leben. Österreich hat zwei Gesichter. Das eine, das man im Ausland kennt, das Land, aus dem “Nestbeschmutzer” wie Thomas Bernhard, Peter Turrini und Elfriede Jelinek oder Aktionskünstler wie Günter Brus kommen, die kritisch auf ihr Land reagieren und darüber reflektieren. Auf dieses Österreich kann und will man stolz sein. Und dann gibt es das andere Österreich, in dem die Menschen glauben, dass alle anderen Deppen sind, wo die “mir san mir” -Mentalität gepflegt wird, ein Land also, für das man sich insgeheim geniert. Mir geht es manchmal selbst so, dass ich in Deutschland sage, “ihr könnt hier ja gar nicht kochen”, oder “ihr habt keine Ahnung von Gebäudesanierung, da müsstet Ihr schon mal nach Wien fahren, um von den Wienern zu lernen, wie das geht.” Ich bin da also gespalten. Einerseits komme ich immer wieder nach Österreich zurück, obwohl ich in Deutschland lebe, obwohl mein Mann und meine Kinder Deutsche sind und alles, was ich habe, in Deutschland ist. Ich fühle mich angezogen und zugleich abgestoßen von Österreich.

F: Was hat Ihre Familie damit zu tun, dass Sie Schriftstellerin geworden sind?

A: Das hat vielleicht damit zu tun, dass in meiner Familie Sprache immer besonders wichtig war. Mein Vater und mein Onkel waren bzw. sind sehr talentierte Redner. Bei uns wurde eine eigene Sprache gesprochen, ein eigener Jargon. Diese Sprache ist gekennzeichnet von einem ganz feinen Sprachwitz, mit dem ich großgeworden bin, und der mich geprägt hat.

F: Autoren der Nachkriegszeit begaben sich in ihren Romanen oft auf Vaterspurensuche. Auch in Ihrem Roman steht die Vaterfigur im Zentrum der Geschichte, obwohl auch die übrigen Familienmitglieder wichtige Rollen einnehmen. Ist Vienna ein sanftes Vaterbuch, eine Art sanfte Familienspurensuche für Sie? In einem Profil Gastkommentar, Ihrer Widerrede, nachdem der Buchhandelschef Ihre Eröffnungsrede kritisierte, weil er sie als nestbeschmutzend empfand, schreiben Sie: “[…] wir Nachkommen der großen, wütenden Autoren sind sanfter. Wir müssen zu anderen Stilmitteln greifen, und diese Mittel wirken anders, vielleicht langsamer.”4 Zu welchen Stilmitteln greifen Sie? Inwiefern sind Sie sanfter als Bernhard, Handke, Jelinek und Turrini?

A: Ich kann nicht sagen, welche Textstilmittel ich verwende, aber ich habe erst gestern etwas über Vienna gelernt, das mir vorher nicht bewusst war. Es gibt ja in der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs drei Phasen. Während der ersten Phase hat man gar nicht über das, was passiert ist, gesprochen bzw. geschrieben. Die sogenannten 68er haben ihre Eltern nicht nur in ihren Büchern wütend konfrontiert und somit angesprochen, angeklagt und geurteilt über das, worüber zu Hause nicht gesprochen wurde. Ein Filmregisseur, der Vienna vielleicht verfilmen wird, meinte, dass die Erzählerin im Roman sehr wütend beginnt, dann am Ende aber versöhnlich wirkt. Ich glaube, das zeichnet die dritte Phase und die dritte Generation, d.h. ihren Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus aus: Man stellt vorsichtig Fragen, man geht sanfter an die Sache heran.

F: Wenn Ihr Roman auch kein Schlüsselroman über Ihre Familie ist, so ist er doch eindeutig ein Familien- oder Generationenroman. Wie würden Sie den Begriff “Familien/Generationenroman” definieren? Lesen Sie solche Romane gerne? Eine Rezension verglich Vienna mit Torbergs Tante Jolesch. Sind Sie mit diesem Vergleich zufrieden?

A: Wovon handelt denn Literatur? Vom Menschen und seinen Beziehungen. Dem Naturroman ist ja seit Stifter nichts Wesentliches hinzugefügt worden. Aber seit Homer geht es um Menschen und ihre Konflikte. Deshalb sind wahrscheinlich 99 Prozent aller Romane solche, die von Menschengruppen handeln. Bei Homer waren es noch Heere, aber die erste Gruppe, die der Mensch erlebt, ist eben die Familie. Deshalb ist dieses doch oft leicht abwertend gemeinte Schlagwort “Familienroman” in Wahrheit Unsinn, weil sich ein Großteil der Literatur mit ein wenig Mühe unter “Familienroman” subsummieren ließe, nicht nur die Buddenbrooks, sondern auch die Blechtrommel. Und natürlich lese ich nichts lieber als gut geschriebene, überraschende Geschichten von Menschen. Zuletzt haben mich die nachgelassenen Erzählungen von John Updike begeistert, so gesehen lauter Familiengeschichten. Und mit den Vergleichen muss man halt leben. Ich persönlich fände andere Autoren naheliegender, aber die Tante Jolesch, die ich übrigens sehr liebe, wurde vermutlich deswegen immer als Vergleich herangezogen, weil sie, wie angeblich Vienna, “lustig” bzw. “humorvoll” ist. Auch so ein Schlagwort, das nur sehr unzureichend beschreibt, worum es geht. Der sogenannte Humor hat doch eine bestimmte Funktion, nämlich den Leser zu öffnen, um ihn besser berühren zu können.

F: In der Psychoanalyse ist etwas nur so lange ein Problem, so lange es nicht in Worte gefasst werden kann. Solange etwas nicht beschrieben wird, gilt es als präsymbolisch. Wenn man es mit Worten beschreibt, kommt es zu einer Lösung, einer Auflösung. Analytiker sind dazu da, ihren Patienten bei der Versprachlichung ihrer Probleme zu helfen. Wie fühlen Sie sich in Ihrer Familie? Sie schreiben sehr direkt, sehr offen – wie ist es möglich, so zu schreiben, wenn man weiß, dass die eigene Familie sich unter Umständen wiedererkennt? Wie hat Ihre Familie auf Vienna reagiert?

A: Mich hat es immer interessiert, Geheimnisse aufzudecken. Als ich an Vienna arbeitete, fand mein Onkel plötzlich Briefe der Tante, die im Roman Katzi heißt. Warum er die plötzlich fand, weiß ich nicht. Ich bin ein paar Mal mit einem Aufnahmegerät hingegangen und hab ihn interviewt, dabei natürlich auch nach ihr gefragt. Mein Vater konnte sich kaum an sie erinnern, weil er noch zu klein war. Es gab zwei Szenen, die ich auch ins Buch hineingenommen habe, zwei Erinnerungen meines Onkels, bei denen er zu weinen begonnen hat. Da war einmal das Erreichen der holländischen Grenze, als er und mein Vater als jüdische Kinder an Bord des Kindertransports von Wien nach England unterwegs waren. An der Grenze reichten ihnen einige holländische Rotkreuzhelfer Obst und Schokolade durchs Waggonfenster. Diese plötzliche Erkenntnis, dass es durchaus Leute gab, die die Ausweisung von Kindern auf Grund ihrer Herkunft als abnormal empfanden, hat ihn noch Jahrzehnte später erschüttert. Die zweite Szene betraf Kriegsgräuel in Burma.

Ich glaube, ich habe mich vor allem selbst therapiert durch das Schreiben. Ich bin mir, durch den Umweg über die Fiktion, über vieles klarer geworden, während umgekehrt meine Familie inzwischen manchmal meint, “schau in Evas Buch nach”, wenn sie sich an die eine oder andere Familienanekdote nicht genau erinnern können.

F: Liest man österreichische Rezensionen über Vienna, fallen diese generell kritischer aus als Rezensionen in den deutschen Medien. Woran liegt das? Waren die Österreicher Ihrer Meinung nach noch nicht reif für ein Buch wie Vienna?

A: Nein, ich glaube, das liegt eher daran, dass es bei so wenigen Zeitungen auch nur eine Handvoll Rezensenten in Österreich gibt. Die meisten sind als Kritiker mit den sogenannten “Nestbeschmutzern” großgeworden, haben gelernt, deren Literatur zu verstehen und vor allem zu verteidigen. Denen kommen wir Jüngeren, Stilleren im Vergleich wahrscheinlich harmlos vor. Meine Bücher selbst sind in Österreich genauso erfolgreich wie in Deutschland, da gibt es keinen Unterschied. Trotzdem schmerzt mich, aus leicht irrationalen Gründen, eine negative Rezension eines österreichischen Kritikers mehr als eine, die in den Stuttgarter Nachrichten erscheint. Aber da werde ich wohl noch einige Schmerzen hinnehmen müssen.